Kampfsport verlangt dem Körper viel ab. Kraft, Ausdauer und Technik sind wichtig, aber ohne Regeneration geht es nicht. Qigong, eine jahrtausendealte chinesische Praxis, ist mehr als nur eine Ergänzung – es ist ein Schlüssel zur Heilung, Leistungssteigerung und mentalen Stärke für Kampfsportler.

Was genau ist Qigong?

Qigong, wörtlich übersetzt ‘Arbeit mit der Lebensenergie’, ist ein integraler Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Es ist eine Kombination aus sanften Bewegungen, bewusster Atmung und mentaler Konzentration. Das Ziel ist, das Qi, unsere Lebensenergie, im Körper zu harmonisieren. Blockaden im Qi-Fluss, so die TCM, können zu Beschwerden führen. Qigong löst diese Blockaden und aktiviert die körpereigenen Selbstheilungskräfte. Für Kampfsportler ist Qigong eine ideale Methode zur Regeneration, wie Studien belegen, und unterstützt die Vorbeugung von Verletzungen, während es gleichzeitig die Leistungsfähigkeit steigert. Traditionell wird es zur Unterstützung der Gesundheit eingesetzt und hilft, den Energiehaushalt zu stabilisieren.

Die verschiedenen Formen des Qigong

Qigong ist unglaublich vielfältig. Es gibt das Stille Qigong (Jinggong), bei dem der Fokus auf innerer Ruhe und Meditation liegt. Im Gegensatz dazu steht das Bewegte Qigong (Donggong), das durch fließende Bewegungsabläufe charakterisiert ist. Für Kampfsportler sind beide Formen relevant.

Stilles Qigong zur Förderung innerer Stärke

Zhanzhuanggong, oft als ‘Stehen wie ein Baum’ bezeichnet, ist eine Form des Stillen Qigong. Diese Praxis, verwurzelt in den inneren Kampfkünsten, fördert die innere Ruhe und Konzentration. Sie unterstützt den Aufbau von innerer Kraft (Jin), was für Kampfsportler von unschätzbarem Wert ist, um die eigene Widerstandsfähigkeit zu erhöhen.

Bewegtes Qigong für körperliche Geschmeidigkeit

Bewegtes Qigong umfasst Übungsreihen wie die ‘Acht Brokate’ (Baduanjin) und das ‘Spiel der fünf Tiere’. Diese Übungen stärken den Körper, schonen die Gelenke, verbessern die Beweglichkeit und fördern die Durchblutung, was zur Vorbeugung von Verletzungen beiträgt. Weitere Übungsformen, wie beispielsweise das Seidenfaden-Qigong, zeichnen sich durch spiralförmige Bewegungen aus, die die Flexibilität zusätzlich verbessern.

Spezifische Qigong-Übungen

Im ‘Spiel der fünf Tiere’ werden Bewegungen von Tieren imitiert, um verschiedene Qualitäten wie Mut, Kraft und Anmut zu fördern. Die ‘Acht Brokate’ bestehen aus acht Übungen, die sanft dehnen, den Körper stärken und den Geist beruhigen. Das Kranich Qigong kombiniert Stilles und Bewegtes Qigong und zielt darauf ab, Lebenskraft und Harmonie zu fördern.

Die Wissenschaft hinter Qigong

Die positiven Auswirkungen von Qigong sind nicht nur auf traditionelle Überlieferungen zurückzuführen, sondern werden auch durch zahlreiche wissenschaftliche Studien gestützt. Diese belegen positive Effekte bei Stress, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Qigong kann die Rehabilitation nach Verletzungen unterstützen, Angstsymptome lindern und das Nervensystem positiv beeinflussen. Besonders für Kampfsportler, die oft unter hohem mentalen Druck stehen, ist die Integration von Achtsamkeit, Meditation und Atemregulierung in Qigong vorteilhaft, da es Stress reduziert und das mentale Wohlbefinden fördert.

Qigong und das Nervensystem

Ein moderner Ansatz zur Erklärung der Wirkungsweise von Qigong ist die Polyvagaltheorie. Diese Theorie beschreibt, wie das autonome Nervensystem auf Gefahren reagiert. Chronischer Stress kann dazu führen, dass der Körper in einem Zustand ständiger Anspannung verharrt. Qigong hilft, das Nervensystem zu regulieren und einen Zustand der Sicherheit zu fördern. Techniken wie das ‘innere Lächeln’ aktivieren den ventralen Vagusnerv, was Stressreaktionen dämpft und innere Ruhe fördert. Für Kampfsportler bedeutet dies eine verbesserte Stressbewältigung und Konzentrationsfähigkeit, wie unter anderem auch in den Ausführungen zu Qigong und dem vegetativen Nervensystem dargelegt wird.

Qigong und Tensegrität im Körper

Tensegrität ist ein Konzept, das das ausgewogene Spannungsverhältnis im Bindegewebe beschreibt. Man kann es sich wie ein Netzwerk aus Stäben (Knochen) und Gummibändern (Gewebe) vorstellen, in dem die Stäbe durch die Spannung der Bänder gehalten werden, ohne sich zu berühren. Dieser Zustand verleiht dem Körper Elastizität und Stabilität. Kampfsportarten können dieses Gleichgewicht stören, aber Qigong hilft, es wiederherzustellen. Durch gezielte Übungen werden Verspannungen gelöst, die Elastizität des Gewebes verbessert und das harmonische Zusammenspiel der Muskeln gefördert. Qigong wirkt auf das gesamte Bindegewebe, aktiviert die Selbstheilungskräfte des Körpers und beschleunigt so die Regeneration.

Qigong im Kampfsport-Training

Qigong lässt sich nahtlos in das Kampfsporttraining integrieren. Es ist ein hervorragendes Aufwärmprogramm, um den Körper zu mobilisieren und den Energiefluss anzuregen. Ebenso effektiv ist es als Cool-Down, um Muskeln zu entspannen, die Regeneration zu beschleunigen und Stress abzubauen. An trainingsfreien Tagen hilft regelmäßiges Qigong, die körperliche und mentale Fitness aufrechtzuerhalten. Die Kombination von Qigong und Kampfsport schafft Synergieeffekte, die sowohl die Leistung als auch die Gesundheit verbessern.

Qigong in verschiedenen Kampfsportarten

Viele Kampfkünste integrieren bereits Qigong-Prinzipien. Tai Chi Chuan, eine sanfte Kampfkunst, ist selbst eine Form des Qigong. Die Prinzipien des Tai Chi Chuan, wie aufrechte Haltung und der Einsatz von Intention (Yi) statt reiner Muskelkraft, fördern den Energiefluss und die Entspannung. Auch in Karate finden sich ähnliche Übungsformen, bei denen Bewegungen in Karate-Kata nicht nur Kampftechniken, sondern auch Energieübungen sind. Im Aikido kann Qigong die Zentrierung und Atmung verbessern, während es im Judo die Balance und Flexibilität unterstützt. Im Kung Fu fördert es die innere Kraft und Geschmeidigkeit.

Qigong für eine langfristig gesunde Kampfkunst

Qigong ist ein Schlüssel zu einer nachhaltigen und gesunden Kampfkunstpraxis. Es steigert nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern fördert auch die mentale Stärke und das allgemeine Wohlbefinden. Qigong aktiviert die Selbstheilungskräfte, reduziert Stress, verbessert die Körperwahrnehmung und stärkt die innere Kraft. Die Verbindung von Entspannung und Aktivität, die im Qigong so zentral ist, ergänzt die Anforderungen des Kampfsports ideal. Qigong ermöglicht es Kampfsportlern, ihre Kunst mit mehr Bewusstsein, innerer Stärke und einem gesteigerten Potenzial auszuüben.

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